Einbruch in mein Schreiblabor

Bei einem nächtlichen Einbruch in mein Schreiblabor wurden geheime Skizzen zu meinem Buch Franklin entwendet. Ich war echt wütend, das könnt ihr mir glauben.

Die Vermutung liegt nahe, dass die ABA hinter der Aktion steckt. Aber auch die CSI Bookosa scheint ihre Finger mit im Spiel zu haben. Wie sonst ist es zu erklären, dass diese Schnüffler noch vor dem Eintreffen der Polizei hier waren und ungefragt alles fotografierten – leider auch mich.

Bevor die gestohlenen Dokumente nun über dubiose Quellen an euch herangetragen werden, veröffentliche ich sie lieber selber.

Erdbeersommer

Liebes Tagebuch, als Autor zählt man zu den Hungerkünstlern. Um den Geldbeutel zu schonen war ich auf dem Feld – Erdbeeren selberpflücken. Danach verbrachte ich drei Tage damit, Marmelade zu kochen und Kuchen zu backen. Zum Schreiben kam ich nicht, auch wenn ich zwischendurch darüber nachdachte, ob es eigentlich schon genug Kochbücher auf der Welt gibt. Nun habe ich Appetit auf etwas Herzhaftes.

„Man konnte ihm Vieles nachsagen, doch Herzlosigkeit nicht. Davon lagerte er unzählige in seinen mannshohen Kühlschränken.“
Ein bizarrer Satz, den ich mir während des Kochens notierte. Vielleicht findet er ja eines Tages Verwendung.

 

Absinth

Liebes Tagebuch!
Meine letzte Lesung deprimierte mich zutiefst und danach warf ich mich weinend in die Arme der grünen Fee. Wieder mal waren die Leute gefesselt, ergriffen und sehr betroffen, als ich am Ende des vorbereiteten Textes ankam. Niemand traute sich, etwas zu sagen, keiner lachte – worüber auch? Nächstes Mal schreibe ich etwas Lustiges!

 

Löwenhunger

Auf einem Streifzug durch die dunklen Gassen der Stadt fand ich einen sich selbst verzehrenden Graffiti-Löwen, der noch immer hungrig ist. Wie ist das eigentlich, wenn man sich selbst verzehrt? Ist das Kannibalismus? Ich glaube, ich schreibe einen Horror-Roman über einen Kannibalen. Aber Mist, ich wollte ja was Lustiges schreiben. Andererseits: Je mehr ich darüber nachdenke, desto lustiger finde ich das Thema an sich. Definitiv witziger als Vampire. Oder lieber doch ein Kochbuch?

 

Über den Dächern der Stadt

Liebes Tagebuch. Heute habe ich meine Stadt von oben betrachtet. Wenn man mal darüber hinwegsieht realisiert man erst, wie viele Menschen hier leben.  Mir kam der zündende Gedanke, ein Kannibalen-Horrorbuch könnte ja auch witzig sein und Rezepte enthalten. Obendrein vielleicht noch eine gesellschaftskritische Note. Daraus lässt sich doch ein prima philosophischer Ansatz machen. Vielleicht ist mein Kannibale ja gar nicht der Böse, sondern rettet sogar die Welt, indem er sie mit seinem Kochbuch revolutioniert und der Überbevölkerung ein Ende bereitet.

 

Feder

Liebes Tagebuch, ich habe mir eine Schreibfeder gekauft, in der Hoffnung, der neue Roman würde damit von selbst aufs Papier fließen. Tat er nicht. Ich muss wohl an den PC zurückkehren und die Arbeit selbst erledigen. Bitte entschuldige, wenn ich in den nächsten Monaten nicht dazu komme, dir zu schreiben.

So, jetzt wisst ihr, wie Franklin wirklich entstanden ist.